On the way back home!

Freitag, 05.09.2014

Nachdem wir noch gefrühstückt und gepackt haben, sind wir mit unseren letzten Rupien zum Flughafen gefahren. Nach bestimmt 5-6 Passkontrollen sind wir nun endlich durch alle Sicherheitschecks durch.
Jetzt haben wir nur noch 30rs übrig! Haarscharf kalkuliert also ;-)

Um 13:45, d.h. 10:15 Uhr deutscher Zeit geht unser Flug mit Air India nach Frankfurt. Bin schon wieder sehr hibbelig ... nach 8 Stunden sollte aber alles überstanden sein.

Was haben wir nun alles von Indien mitgenommen?
Wie viele gemerkt haben, waren die Berichte hier durchaus nicht nur positiv. Ich weiß auch nicht, ob ich den Urlaub tatsächlich als "schön" bezeichnen würde. Erholsam war er definitiv nicht - ich könnte jetzt gut Urlaub vertragen ;-) - besonders auch, da wir kaum Ruhephasen hatten, gerade in der Zeit mit Khan als Taxifahrer. Straffer Zeitplan, wahnsinnige Hitze, hohe Luftfeuchtigkeit und Magenschmerzen und viele Stunden auf dem Klo haben uns manche Nerven gekostet.

Innerhalb der nächsten Woche werde ich von Zuhause aus den Blog endlich mit Fotos bestücken. Ich muss erst Fotos aussortieren und kleiner formatieren, sonst nimmt der Blog das hier nicht an.

Was wissen wir nun über den Norden Indiens?

• Indien ist nicht Bollywood. Indien ist Slumdog Millionaire.
Slums, Dreck, tote Hunde, stinkendes Wasser, obdachlose Menschen, Bettler und mittendrin unschuldige Kinder, die einfach das Pech hatten, in dieses Elend hineingeboren worden zu sein.
• Indien hat unterschiedliche Kasten und Schichten. Je weißer die Haut, je heller das Haar und die Augen, desto mehr wird man geschätzt. Im indischen Fernsehen werden fast ausschließlich hellhäutige oder weiße Menschen gezeigt. Das ist jedoch fernab jeder Realität - zumindest dort, wo wir unterwegs waren.
• Entsprechend sind Europäer oder Amerikaner überhaupt DIE begehrenswerten Stars schlechthin. Jeder Inder will ein Foto mit dir, wenn du eine weiße Frau bist. Auch heimlich.
• Geh nach Indien und du wirst im deutschen Straßenverkehr keine Angst mehr haben.
• Supermärkte gibt es nicht. Es gibt Märkte, wo alles offen (z.T. auch mit Fliegen bedeckt) präsentiert wird. Keine Ahnung, wie lang das da immer schon liegt und wer das alles schon angefasst hat.
• Nimm ALLE Medikamente mit, die du brauchst. Die wenigen Apotheken, die wir gesehen haben, waren auch wie alle anderen Läden nur in so einer heruntergekommenen Garage. Darauf würde ich nicht vertrauen. Ein großer Vorrat Kohletabletten ist ein Muss.
• Du kannst es nicht verhindern, Durchfall zu bekommen. Selbst, wenn du deine Zähne nur mit Mineralwasser putzt. Reis wird auch nur mit Hahnwasser gekocht.
• Wenn man nach Indien reist, muss man Reis lieben. Alles gibt es mit Reis oder mit indischem Fladenbrot.
• Inder stehen auf Tempel und Säulen und Mausoleen.
• Religion spielt eine riesige Rolle. Tausende von Menschen kann man an Straßen beobachten, auch mit Kleinkindern oder Säuglingen auf dem Rücken und sonst ohne Gepäck, die hunderte von Kilometern zu Tempeln pilgern.
• Inder nicken und wackeln komisch mit dem Kopf.
• Inder lachen selten. Starren können sie aber sehr penetrant und aufdringlich.
• Inder wollen dein Geld. Meistens das Doppelte, wie sonst ein Einheimischer zahlen müsste. Sie wissen, dass du mehr Geld hast als sie.
• Fabriken sind überbewertet. Garagen und heruntergekommene Hinterhöfe tuns auch.

Anderen, die an Asien interessiert sind, würden wir wahrscheinlich erst einmal empfehlen, mit einem anderen Land zu beginnen. Wie wir auch häufig im Internet gelesen haben, ist Indien eines der ... nennen wir es mal "andersartigsten" Länder der Welt im Vergleich zu Deutschland.

Wir sind oft an unsere Grenzen gekommen. Dennoch müssen wir sagen, dass wir uns an vieles schon fast gewöhnt haben. Nach einer Weile läufst du auch über den Plastikmüll und nicht drumrum. Nach einer Weile schwitzt du nach einer Minute draußen, aber es ist dir egal. Nach einer Weile läufst du in Gassen zwischen wilden, zerfleischten Hunden und Ochsen und es ist dir egal. Dein Puls schafft es auf Dauer nicht, auf 200 zu bleiben. Du überquerst mehrspurige Straßen an einer Kreuzung mitten im Verkehr, weil es alle tun.
Unseren Müll haben wir dennoch nie einfach auf die Straße geworfen, sondern immer in Mülltonnen, wenn es mal eine gab - auch wenn wir uns nicht so sicher sind, ob es denn dann tatsächlich wo anders landet.

Was wir also gelernt haben, ist:
Kultur ist alles. Du denkst, du wärst durch dein Heimatland gar nicht so sehr beeinflusst, sondern könntest dein Handeln und Denken selbst bestimmen, doch in Wahrheit ist es deine Kultur.

Und letztendlich sind wir über die Ruhe, Sauberkeit, Ordnung, das Essen und Trinken, die Distanz zu anderen Menschen, die Höflichkeit, den Respekt gegenüber Frauen und vieles mehr in Deutschland so glücklich wie nie zuvor.

Purana Qila, Akshardham Tempel und Main Basar - drückende Hitze und Süßis

Donnerstag, 04.09.2014

Heute war schon quasi unser letzter Tag hier.
Zuerst sind wir zu Purana Qila, auch eine der ersten Siedlungen von Delhi. Wieder war alles relativ gepflegt und sogar mit angepflanzten Blumen. Unterwegs sind wir zwei kleinen, tapsigen Hundebabies begegnet, die fleckenweise kein Fell hatten (ooooh, kann man die mitnehmen und gesund pflegen?) und mal wieder vieeelen vielen Streifenhörnchen.

Die Hitze war heute besonders unerträglich, da es durch den vielen Regen die letzten Tage extrem hohe Luftfeuchtigkeit gab. Wir haben wirklich immer wieder getrunken, aber mussten den ganzen Tag nicht Pipi machen ;-) Das gibt einem dann schon zu denken.

Danach sind wir zum Akshardam Tempel, bzw. wollten dort hin. Das ist ein imposanter Sekten-Tempel, der vor noch nicht einmal 10 Jahren erbaut wurde. Als wir dort ankamen, haben wir jedoch gesehen, dass man alles abgeben hätte müssen - Handys, Kameras, USB Sticks (hä?!?!) und Taschen. Die "Garderobe", an der man die Sachen abgeben konnte, hat jedoch explizit keine Verantwortung dafür übernehmen wollen. Für den Verlust der Marke mit einer Nummer, die man bei der Abgabe erhalten hätte, hätte man nur 50rs zahlen müssen ...
Naja, irgendwie zu viele Dinge, die dafür gesprochen haben, nicht unsere ganzen Wertsachen dort abzugeben. Bei den vielen anderen Tempeln hatten wir ja manchmal schon die Sorge, dass unsere Schuhe nachher weg sind, aber bei den ganzen teuren Sachen musste das Risiko jetzt doch nicht sein. Fotos hätten wir demnach sowieso nicht drin machen können.

Von der Metrostation aus haben wir den Tempel außerdem auch gut gesehen. Haben wir ihn eben aus der Ferne genossen.
In der Metro gibt es übrigens auch immer ein extra Frauenabteil, in das Männer nicht rein sollen (/dürfen?). Ich bin, wenn nicht alles überfüllt war, immer dort rein und Paddi ist zwischen die Abteile. War richtig angenehm, denn von Frauen wird man weitaus nicht so unfreundlich und penetrant angestarrt.

Danach sind wir noch über den Main Basar geschlendert und haben einen Granatapfelsaft (frisch gepresst) von einem Stand probiert. Uns kann nun also keiner vorwerfen, wir hätten nie so ein Straßen"essen" probiert ;-)
Ein besonderes Geschmackserlebnis war es nun aber doch nicht.
Ansonsten bestand der Basar viel aus Ramschläden und Obstständen. Dafür, dass der hier so bekannt ist, war es jetzt nicht sooo berauschend.

Wir haben auch indische Süßigkeiten von "Bikaner Sweets" probiert, einer Art ... indischer Konditorei vielleicht? Dort werden viele, z.T. auch knallig bunte, pappsüße, karamellisierte, eingeölte, frittierte Häppchen und Pralinen verkauft für nicht gerade wenig Geld. Vier haben wir gekauft - 3 davon waren akzeptabel, das vierte bestand jedoch so sehr aus irgendetwas Karamellig-Zuckrig-Festem, dass wir es kaum runterbekommen haben. ;-)
An sowas Extremes sind wir nicht gewöhnt.

Wir haben nun nochmal gut Indisch zu Abend gegessen, duschen fix und dann packen wir unsere Sachen - morgen geht's heim!

Pseudo Operahouse und Taj Mahal

Mittwoch, 03.09.2014

Heute haben wir uns durch die Metrostationen geschlagen und sind zuerst zum Lotustempel. Dieser hat uns sehr an das Operahouse in Sydney erinnert. Innen durfte man keine Fotos machen, aber das war nun der erste Tempel, der unglaublich schlicht und geradezu farblos war. Es hat uns etwas an das Innere eines Gemeindehauses erinnert.

Über einige Umwege sind wir anschließend mit der Metro zum Humayun Mausoleum - auch hier wieder eine große, vergleichsweise saubere und gepflegte Anlage. In Delhi hier legen die bei den Sehenswürdigkeiten noch am ehesten wert darauf, bei Touristen einen guten Eindruck zu hinterlassen!
Wie wir erfahren haben, wurde nach dem Vorbild dieses Grabmals das Taj Mahal gebaut. Es war tatsächlich wie das Taj - nur eben nicht ausschließlich in weißem Mamor. Nicht mal was Eigenes erfinden konnte der Gute in Agra also was für seine verstorbene Frau, tzzzz! ;-)

Leider ist dann wieder Platzregen runtergekommen. Nach der komplizierten Metrofahrt und unserem Fußweg sind wir dann nicht mehr ganz so trocken ins Hotel zurückgekehrt. Unterwegs hat mich eine Art kleiner Transporter angerempelt. Wie kann ich auch nur auf die blöde Idee kommen, Fußgänger hätten Vorrang auf Gehwegen! ;-)

Gute Nacht!

Red Fort und Spice Market

Dienstag, 02.09.2014

Heute haben wir uns von einem Tucktuck zum Red Fort fahren lassen. Als wir verhandelt hatten und eingestiegen sind, haben wir bemerkt, wie der Typ noch genüsslich seinen Joint fertiggeraucht hat. Gras in Kombination mit dem Verkehrschaos in Delhi? ...
Wir sind dann aber doch unversehrt beim Red Fort angekommen. Heute hatte es tatsächlich offen und wir haben uns gewundert über die parkähnlichen grünen Wiesenflächen. Bisher waren alle Forts voll mit Stein, Sand und Mauern.

Anschließend wollten wir zum Spice Market - dem angeblich größten Gewürzmarkt Asiens. Wie auch schon gestern wollten uns mehrere Rikschafahrer mitnehmen, jedoch unter der Bedingung, uns noch irgendwas anderes "Tolles" zu zeigen. Das hat echt genervt. Die mit ihren blöden Provisionen. Anstatt uns dann für den normalen Preis die 2km zu fahren - ohne Zwischenstopp - haben sie lieber gesagt, sie fahren uns nicht. Naja. Nicht mein Problem - offensichtlich können sie sich das doch leisten.

Wir haben dann doch noch einen gefunden. Der wollte uns dann doch auch noch was zeigen unterwegs, aber wir haben einfach nein gesagt. Da der Verkehr so heftig war in Old Delhi, hätten wir von der Zeitersparnis her wahrscheinlich auch laufen können. Als er uns rausgelassen hat, hat er behauptet, er habe kein Wechselgeld für uns. Als wir ihm dann eben weniger geben wollten als abgemacht, hatte er, gaaanz plötzlich, doch noch die 10rs Wechselgeld! ;-)
Er hat uns auch wie wild auf einen der Stände verwiesen (Provision?), aber nur aus Prinzip sind wir, auch als er neben uns stehen geblieben ist, einfach weitergelaufen.

Es gibt hier unglaublich viele Gewürze. Inder stehen sehr auf Curry, Zimt, Chili, Anis (iiiih!) und Kümmel (baaaaah). Wir haben dann eine kleine Tüte voll getrocknete Chili gekauft, wobei das Kilo 140rs (etwa 1,80€) gekostet hat. Unser Vorrat (20rs) reicht zuhause wahrscheinlich ein Jahr lang oder noch länger :D
Die Preise hier waren aber alle ausgeschildert und nicht für Touristen. Man konnte also gut vergleichen und wusste, dass wirklich JEDER hier den Preis zahlt.

Anschließend sind wir in ein kleines Restaurant zum Essen, als dann wieder der Regen eingesetzt hat. Wir hatten dann wieder Probleme, zurück zum Hotel zu kommen - Tucktucks wollten alle keine Kunden annehmen (fahren die nicht bei Regen? Wir habens nicht verstanden) und mit einer Fahrradrikscha hätten wir ewig gebraucht.
Da aber der Regen und danach die Hitze nicht besser wurde, haben wir dann doch einem Tucktuckfahrer mehr gezahlt - wir wollten den ganzen Weg nicht auch noch laufen.

Auf der Fahrt ist uns ein splitterfasernackter Mann auf der Straße begegnet. Er ist auch an Polizisten vorbeigelaufen. Das interessiert hier wirklich niemanden! Verrückte Welt.

Schmarotzen in der Lobby, 3. Klasse Zugfahrt und zurück im chaotischen Delhi

Montag, 01.09.2014

Vorgestern mussten wir frühs aus unserem Hotel in Amritsar auschecken. Da wir schon alles gesehen hatten, haben wir dann den ganzen Tag in der Hotellobby verbracht und lautlosen Fernseher mit englischem Untertitel geschaut oder uns mit tollen Handyspielen die Zeit vertrieben. Und uns auch dorthin unser Essen bringen lassen. Von allen Gästen wurden wir ganz verwirrt angeschaut.
Wahrscheinlich war es dem Hotelbesitzer auch etwas unangenehm. Er hat sich mehrmals dafür entschuldigt, dass er kein Zimmer für uns hat, in dem wir hätten warten können und hat uns die ganze Zeit angeboten, in seinem Zimmer zu warten. Mittags hat er uns dann auch einen leckeren Limetten-Minze Saft spendiert und uns nochmal Nachlass beim Essen gegeben. Wirklich Wahnsinn, wie nett die da waren!

Abends um 11 hat uns dann jemand vom Hotel in einem Auto ohne Schnaller (heißt das wirklich so? Wenn man das schreibt, sieht das irgendwie komisch aus) zum Bahnhof gefahren. Wir haben dieses Mal von der Agentur kein 2. Klasse-Ticket bekommen, sondern nur eines in der 3. Klasse (wahrscheinlich einfach, um noch mehr Geld für sich rauszuschlagen ...).
Statt 2 Betten übereinander waren hier auf derselben Höhe 3! War schon ein bisschen Sarg-Sardinen-Style und laut. Eine Omi wollte nicht ganz oben schlafen und hat dann mit mir tauschen wollen - Gott sei Dank. Paddi musste ganz unten schlafen, da hätte ich noch mehr Platzangst bekommen.
In den Morgenstunden wurden wir dann von einem sehr schreiaffinen Kind geweckt. Die Mutter hat es einfach neben sich gelegt und gewartet, bis es aufhört. Da wurde man fast wahnsinnig!
Glücklicherweise haben wir unseren Ausstieg nicht verpasst. Es gibt nämlich keine Durchsagen oder Anzeigen.

Zurück in Delhi sind wir nun in einem Hotel, das vom Reiseführer lonely planet empfohlen wird. Hier sind die aber lange nicht so nett und das Zimmer ist auch nur halb so groß wie das in Amritsar. Die Klimaanlage funktioniert auch nur die Hälfte der Zeit und es ist sehr laut.

Delhi kommt uns nun aber schon gar nicht mehr so heftig vor wie am Anfang. Wir haben uns wirklich schon arg daran gewöhnt.

Nachdem wir uns gestern nur von der Zugfahrt erholt haben, sind wir heute zum Red Fort, das dann - oooh, Überraschung - wie auch schon letztes Mal geschlossen hatte. Wir probieren es morgen nochmal.
Stattdessen waren wir in einer sauberen! "Parkanlage", Qutar Minar, in der sich die Ruinen der ersten Delhisiedlung befinden und ein großer Siegesturm.

Da wir nun keinen Fahrer mehr haben, verhandeln wir weiter viel mit Rikschafahrern oder nehmen möglichst die sichere und klimatisierte Metro.

Gerade sind wir nur mit viel Mühe zu unserem Hotel gekommen - der Rikschafahrer konnte kein Englisch und hatte zudem keine Ahnung, wo die Straße von unserem Hotel ist. Karten lesen konnte er auch nicht, wenn Paddi ihm mit Händen und Füßen versucht hat zu erklären, wo er abbiegen soll. Nachdem auch noch Platzregen (aha! Da ist er doch, der "Monsun"?!) eingesetzt hat, haben wir ihm das Geld in die Hand gedrückt und sind den Rest des Wegs noch gerannt.

Hätten auch normal laufen können, dann wären wir wahrscheinlich genauso nass ;-)

Khan hat uns heute schon eine Mail geschrieben und gefragt, wie es uns geht. Könnte ja wetten, dass er will, dass wir ihn hier für Delhi wieder als Taxifahrer engagieren ;-)

Nun gibts Essen!

Hollywoodfilme, Tempel und beschissene Agenturen

Freitag, 29.08.2014

Die letzten Tage haben wir hauptsächlich damit verbracht, im Hotel coole Hollywoodfilme zu sehen. Hier gibt es mehrere Sender, in denen ständig Blockbuster laufen.
Ansonsten viel Wäsche waschen (irgendwie wird das alles nicht richtig sauber. Zuhause waschen wir erst mal alles, egal ob sinnvoll oder nicht, mit 60°C ;-)) und ab und zu raus.
Wir waren nochmal am goldenen Tempel und einem anderen Tempel, haben viel mit Rikschafahrern verhandelt (die sagen hier immer zu viel. Wirklich, wir wollen nicht geizig wirken, aber hier wird man echt nonstop verarscht. Unsere beste Methode: selber Preis nennen, wenn der nicht akzeptiert wird, weglaufen. Die laufen einem immer nach und machen es dann doch für den Preis.), Papaya und Ananas gekauft und uns mit unserem Agenten rumgeärgert.

Der gute Mann hat natürlich keine Zugtickets für unsere Rückfahrt nach Delhi oder eine Reservierungsbestätigung für unser Hotel in Delhi geschickt. Mehrmals haben wir die hier sehr nette Rezeption belästigt und mit dieser Agentur telefoniert. Diese haben nach mehrmaligem Fragen endlich die eingescannten Dokumente per Mail geschickt. Nun fehlen zwar noch die letzten beiden Übernachtungen, weil die es schon wieder verkackt haben, aber anscheinend klärt der das noch. Ansonsten klären wir das dann direkt im Hotel in Delhi.

Wir haben heute auch mit dem netten Typen an der Rezeption gesprochen, der uns mal durchgerechnet hat, wie viel unserer ganze Reise hier seit Anfang an, ebenso mit Luxushotels und Taxifahrer, gekostet hätte. Wenn wir es nicht über diese private Hinterhofagentur gebucht hätten.

Wir haben ernsthaft den VIERFACHEN PREIS bezahlt.

Das ist wirklich das Allerletzte. Vieles war einfacher und wir wussten so auch sicherer, dass Khan einen Vorgesetzten hat und uns nicht beklauen würde, ebenso hatten wir von Beginn an unsere Gutschriftenzettel für die Hotels ... natürlich war das so bequem. Das gemacht zu haben, war auf jeden Fall die richtige Entscheidung. Aber wenn man so sehr über den Tisch gezogen wird, dass man den vierfachen Preis zahlt, dann wurmt einen das einfach. Und wir haben dieser kack Agentur auch noch auf das Verlangen des Chefs hin einen Brief auf Deutsch schreiben müssen, in dem wir erzählen mussten, wie es uns dabei ergangen ist. Hätte ich das alles, wie es jetzt auch noch gelaufen ist, früher gewusst, hätte ich definitiv etwas anderes reingeschrieben.

Naja. Das Geld ist weg.
Morgen Abend nehmen wir den Nachtzug zurück nach Delhi.
Und in einer Woche sind wir wieder zuhause.
Ohne Malaria, andere ernsthafte Krankheiten oder Diebstähle, Monsunregen oder Naturkatastrophen oder Anschläge.
Mit dem Wissen, wie wertvoll es ist, in Deutschland leben zu können!

Goldener Tempel

Dienstag, 26.08.2014

Heute haben wir das erste Mal ausgeschlafen.
Da unser Agent noch immer nicht das Hotel kontaktiert hatte hier, haben wir ihn über die Rezeption anrufen lassen. Er sendet uns jetzt hier her die Tickets nach Delhi für Samstag Nacht und hoffentlich auch die Gutschriften für die Hotelübernachtungen in Delhi, die er uns eigentlich nach Kaschmir mitbringen wollte.

Wir hoffen wirklich, dass der uns nicht verarscht. Wie wir nun rausgefunden haben, ist das dort nämlich kein staatliches Reisebüro gewesen. Im Internet gibt es endlos Berichte über Schlepper, die bei ahnungslosen Touristen behaupten, alles sei ausgebucht und man könne nur noch über eine bestimmte Agentur buchen. Dafür fahren sie einen dann für einen lächerlichen Betrag dort hin und bekommen dort von den Leuten natürlich Provision. Die Agentur hat uns somit also ein mega überteuertes Angebot aufs Auge gedrückt. Auch Berichte über Kaschmir über diese Hausboote sind zu finden, wo man auch übel abgezogen oder gar beklaut wird.

Wir sind wirklich froh, nicht noch weiter zu reisen. Keine Ahnung, was dieser Typ noch mit uns vorhatte. Jetzt können wir nur das Beste hoffen und darauf vertrauen, dass er für unser bezahltes Geld nach Kaschmir tatsächlich wie versprochen die Hotels wieder umbucht.

Von diesen Schleppern haben wir natürlich gehört gehabt ... aber so unseriös hat es ja nun doch nicht gewirkt. Ihren Job in der Agentur haben sie ja bis jetzt erledigt, nur eben zu für Indien abartig hohen Preisen.

Vor allem dachten wir, dass es das staatliche Büro aus unserem Reisebuch sei, doch das war, wie wir nun geschaut haben, eine Straße weiter.

Heute waren wir dann am berühmten Sikh-Tempel, einem goldenen kleinen Tempel auf einem quadratisch angelegten See. Das war tatsächlich der sauberste See, den wir hier je gesehen haben! Mehrere Leute kamen wieder vorbei und wollten Fotos, heute haben aber alle freundlich gefragt.

Die Sikhs haben hier höhere, stramm gebundene Turbane. Irgendwie waren das meistens ältere Männer mit Vollbart, die auch mal lächeln können (auch zu mir! Im Gegensatz zu 99% aller Inder). Sie sahen im Vergleich zu anderen Orten, wo wir schon waren, wohlhabender aus. Ob das jetzt aber tatsächlich alles Sikhs waren, die zu dem Tempel gepilgert sind, oder doch auch wohlhabende Moslems oder Hindus, wissen wir nicht. Hier gibt es so viele Religionen und Kasten, da blickt man nicht mehr durch.

Abendessen gab es heute im Pizza Hut. Zwei Pupspizzen (wirklich!!! klein) und eine kleine Sprite für umgerechnet 8,20€! Fast schon Wucher für hier. Aber hat halbwegs normal geschmeckt.

Gute Nacht!

Alle Pläne wieder über den Haufen geworfen.

Montag, 25.08.2014

Die Zugfahrt verlief problemlos. Mit indischer Pünktlichkeit kamen wir mit zwei Stunden Verspätung in Amritsar an und sind mit einer Rikscha zu unserem Hotel, wo wir erst mal geschlafen haben.

Nachdem wir uns die ganze Sache mit Kaschmir aber nochmal durch den Kopf gehen lassen haben und auch die Seite des auswärtigen Amts gelesen haben, wurde uns immer unwohler bei der Sache. Das Amt rät, erforderliche (!) Reisen nach Srinagar nur mit dem Flugzeug zu unternehmen. Trekking- und Wandertouren sollten auf jeden Fall mit ortskundigen und professionellen guides durchgeführt werden. 2011 wurden dort noch Anschläge verübt. Entführungen können vorkommen ebenso wie gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei.

Da es dort sicherlich schön, aber auch ähnlich wie in den Alpen aussieht, haben wir beschlossen, das Risiko doch nicht einzugehen. Da wir mit dem Jeep auch noch hinwollten, sowieso nicht. Für uns war es nun einfach doch ein zu großes Risiko. Egal, dass wir bereits für alles gezahlt haben.

Wir wurden gestern einfach sehr überrumpelt und mussten wegen der anstehenden Zugfahrt schnell entscheiden. In unseren Vorüberlegungen in Deutschland, wohin uns die Reise hier führen soll, haben wir aber Kaschmir genau aus diesen Gründen ausgeschlossen.

Wir sind sicherlich sehr vorsichtig in unserer Entscheidung. Aber es geht einfach nicht nur um eine Entscheidung wie "reise ich nach Frankreich oder Italien" oder "reise ich mit Lufthansa oder Airberlin".

Wir haben also unseren Agenten kontaktiert und ihm das mitgeteilt. Er war ein bisschen angepisst (was ihm ja eigentlich egal sein kann, unser Geld hat er ja).
Wir haben ihn darum gebeten, unseren Aufenthalt in Amritsar zu verlängern, auch wenn es hier nicht viel zu sehen gibt. Unser Hotel ist spitze, hat AC, einen Fernseher und ein anständiges Bad und nach ein paar Tagen können wir dann wieder nach Delhi. 

Wenn wir mal in unserem Leben in den Himalaya zum Wandern wollen, gehen wir nach Nepal. Da ist es schöner und friedlich.

Zurück in Delhi. Absolutes Chaos.

Sonntag, 24.08.2014

Nach vielen Stunden Fahrt, bei denen wir auch Offroad-mäßig über unbefestigte Feldwege fahren mussten, waren wir zurück in Delhi.
Dort gleich zum Touristenbüro, wo wir unsere Zugtickets bekommen sollten.
Da wir für Amritsar und Rishikesh noch keine Hotels gebucht hatten, wollten wir dort Unterstützung.

Doch dann der Schock: Rishikesh ist gerade überflutet wegen dem Monsun, sogar über 50 Tote. Sie haben uns auch die Internetartikel dazu gezeigt.
Oh shit.
Da fährt nicht mal ein Zug hin.
...

Nach 2 Stunden Diskussionen mit dem Chef, der uns schon wieder was Neues verkaufen wollte, haben wir sogar bei Air India und Check 24 angerufen, weil wir jetzt einfach nur noch heim wollten und unseren Flug umbuchen wollten. Das hätte aber p.P. 520€ gekostet (!!!!!!!! für EINEN Rückflug, so viel haben wir für Hin- UND Rückflug gezahlt!!! ... unfassbar).

Long story short. Wir reisen nun vorerst tatsächlich nach Amritsar, dann statt mit dem Flugzeug (ich mach hier ganz sicher keinen Inlandsflug) mit einem 8er Jeep und Bus nach Srinagar - ja, nach Kaschmir, der umstrittenen Region zwischen Pakistan und Indien.

Srinagar liegt zwar in Kaschmir, aber nicht in der gefährlichen Zone. Dort sind wir dann an einem See in einem "House Boat" für 5 Nächte und die 6. Nacht dürfen wir beim Chef, der uns diese Reise verkauft hat, schlafen. Der geht übermorgen nämlich dorthin in den Urlaub. So sparen wir uns eine Übernachtung.

Dorthin bringt er uns auch unsere Rückfahrtickets - auf dem selben Weg über Land zurück nach Delhi, dann noch 3 Tage Delhi und dann heim.

Ich bin mittlerweile wirklich am Limit. 2 Wochen hier hätten wirklich gereicht. Ständige Bauchschmerzen und dazu fast oder über 40°C machen einen einfach platt. Am Himalaya sind aber "nur" noch 27°C und es ist ruhig, es gibt einige Seen und viele Wander- und Trekkingwege. Vielleicht kommen wir da endlich zur Ruhe.

Soeben haben wir uns von Khan verabschiedet. Wir haben ihm umgerechnet 50€ Trinkgeld gegeben - das ist für uns nicht wenig und dann dachten wir, dass es für ihn auch ok ist. Im Internet haben wir gelesen, dass man so 3-5€ pro Tag geben soll. Er hat danke gesagt, aber keine Miene verzogen - das tun Inder aber allgemein nicht. Ob er das jetzt gut oder schlecht fand, weiß ich nicht.

Nun sind wir im Schlafabteil im Nachtzug nach Amritsar. Mal schauen, ob wir tatsächlich schlafen können. Wir legen uns einfach auf alle Wertsachen und Taschen oder binden sie an uns fest.

Ratteninvasion und langweilige Havelis in Mandawa

Samstag, 23.08.2014

Bei unserer Fahrt nach Mandawa haben wir einen kleinen Umweg gemacht und sind zu einem Tempel, der dafür bekannt ist, voller Ratten zu sein. Jaja, denkste - bestimmt maßlos übertrieben.

Als wir dort waren, war alles anfangs auch halb so wild. Jemand mit Rattenphobie hätte schon im Innenhof Zustände bekommen, aber da haben vorerst nur wenige hundert Ratten Milch getrunken oder das Futter gefressen, das man ihnen als Besucher geben konnte. Die Ratten werden, so haben wir das zumindest verstanden, nämlich als Verstorbene angesehen, die als Ratten wiedergeboren wurden. Deshalb sind sie heilig. Es bringt Glück, die Überreste aufzuessen, nachdem die Ratten an dem Essen geknabbert haben.

...

Der Tempel selbst war absolut nicht sehenswert. Auch von innen nicht. Von innen wurde man aber auch vom Gestank der Ratten überwältigt, die nun tatsächlich in jeder Ecke und jedem Winkel saßen. Man konnte schon noch laufen, ohne auf eine zu treten, aber die ganzen Wände ... ehrlich, das hätte ich mir besser nicht angeschaut. Mir läuft da immer noch ein Schauer über den Rücken, wenn ich daran denke - trotz 40°C ;-)

Nach mehreren Stunden Fahrt kamen wir in Mandawa an. Die Straße hierher war grausam und manchmal einfach gar nicht vorhanden. Khan ist trotzdem sehr beschwingt über die Schlaglöcher drübergefahren, sodass wir dieses Mal nicht wirklich schlafen konnten.

Nach einer kurzen Pause hat uns ein guide einige Havelis in Mandawa gezeigt. Er ist wahnsinnig stolz auf den Ort, die "tollen" Gebäude und Indien an sich. Was wir aber schon in anderen Städten und Forts gesehen haben, übertrifft das hier bei weitem! So nötig war der Stopp hier wohl nicht. Zwischendurch wollte der guide uns auch ständig was verkaufen oder zu Ständen bringen, aber heute haben wir gleich nein gesagt.

Das war nun unser letzter Tag in Rajasthan. Morgen fährt uns Khan wieder nach Delhi, wo wir wieder in das Touristenbüro kommen sollen, um die Zugtickets für den Norden zu holen. Über Nacht fahren wir dann nach mit dem Zug nach Amritsar, das 29km von der pakistanischen Grenze entfernt ist.

Nebenbei-Info:
Viele Inder glauben, Deutschland sei noch in BRD und DDR aufgespalten.
Sind nicht ganz so up to date hier ... :D

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